Madeira genehmigt 718 Wohnungen, aber weniger Bauten werden fertig
Madeira hat so viele Bauvorhaben genehmigt wie seit Jahren nicht, doch die Kräne kommen nicht hinterher. Zwischen Januar und Juni 2026 wurden 330 Gebäude genehmigt, 19,1% mehr als ein Jahr zuvor, und 718 neue Wohnungen, ein Plus von 27,5%. Die fertiggestellten Gebäude gingen dagegen um 1,6% zurück. Die Zahlen veröffentlichte am 11. September die DREM, das regionale Statistikamt Madeiras.
Genehmigt heißt nicht bezugsfertig
Eine Baugenehmigung ist die Erlaubnis der Gemeinde, mit dem Bau zu beginnen. Zwischen diesem Papier und der bezugsfertigen Wohnung vergehen meist zwei bis drei Jahre. Der Sprung bei den Genehmigungen sagt also etwas über die Zukunft, nicht über die Gegenwart. Und die ist schwächer: 188 Gebäude wurden fertig, die Zahl der fertiggestellten Wohnungen fiel auf 414, rund 16,5% weniger als ein Jahr zuvor. Fast drei von vier Genehmigungen betreffen Neubauten, davon über 90% für Wohnzwecke.
Warum sich Bauten hinziehen
Die Lücke zwischen Genehmigtem und Fertiggestelltem hat drei Ursachen, die in ganz Portugal bekannt sind. Es fehlen Arbeitskräfte, und Bautrupps wandern zu besser bezahlten Aufträgen ab. Die Kosten steigen: Die Arbeitskosten im Bau wuchsen 2024 und 2025 um rund 8% pro Jahr. Und auf einer Insel kommt jedes Material per Schiff, mit eigenen Fristen und eigenem Preis. Viele genehmigte Projekte brauchen länger als geplant, bis das erste Stockwerk steht.
Madeira gegen den Trend
Nach Angaben des nationalen Statistikamts INE genehmigte Portugal im zweiten Quartal 2026 7,1% weniger Gebäude, mit starken Einbrüchen im Großraum Lissabon und an der Algarve. Madeira war die Region mit dem stärksten Zuwachs. Die Aktivität konzentriert sich auf Funchal und seinen Speckgürtel, Santa Cruz und Câmara de Lobos, sowie auf Calheta, wo die ausländische Nachfrage treibt. Dort sind auch die Preise am höchsten: Funchal liegt bei rund 4.900 Euro pro Quadratmeter, Calheta bei 4.800, gegenüber etwa 3.500 in Santa Cruz und 3.400 in Câmara de Lobos. Den regionalen Schnitt von rund 4.400 Euro übertreffen nur Lissabon und die Algarve.
Was das für Wohnungssuchende bedeutet
Wer 2027 oder 2028 einen Neubau kaufen will, findet mehr Projekte in der Pipeline als seit Jahren; ratsam ist, den tatsächlichen Zeitplan jedes Vorhabens zu prüfen und sich nicht nur auf das versprochene Datum zu verlassen. Wer heute sucht, hört eine andere Botschaft: Solange die genehmigten Wohnungen nicht fertig sind, wächst das Angebot nicht, und die Preise bleiben angespannt. Für die Gemeinden geht es darum, Genehmigungen mit Bauland, Infrastruktur und bezahlbarem Wohnraum zu begleiten. Zu erwarten ist eine gestaffelte Übergabe: 2026 wird ein mageres Jahr für neue Schlüssel; Entlastung, wenn sie kommt, zeigt sich 2027 und 2028.



