Azoren: PS schlägt Wohnkostenzuschuss für auswärtige Studierende vor
Auswärts zu studieren ist auf den Azoren selten eine freie Entscheidung. Auf neun Inseln, mit einer Universität, die sich auf Ponta Delgada, Angra do Heroísmo und Horta verteilt, müssen viele junge Menschen ins Flugzeug steigen, um weiterzulernen. Die Sozialistische Partei (PS) der Azoren hat am 13. September 2026 vorgeschlagen, für diese auswärtigen Studierenden einen regionalen Wohnkostenzuschuss einzuführen, erstmals ab dem Studienjahr 2027/28.
Was die PS vorschlägt
Gedacht ist eine monatliche Zahlung für Hochschulstudierende, die auf einer anderen Insel als ihre Familie leben oder auf dem portugiesischen Festland oder auf Madeira studieren. Sie soll Stipendiaten wie Nicht-Stipendiaten zugutekommen, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die Höhe würde sich nach dem Haushaltseinkommen und den tatsächlichen Wohnkosten richten, im Rahmen des verfügbaren Budgets. Zusätzlich sollen Familien die Flugtickets bei der IRS, der portugiesischen Einkommensteuer, absetzen können.
Was es bereits gibt
Der portugiesische Staat zahlt schon heute einen Wohnzuschuss, allerdings nur an auswärtige Studierende mit Stipendium. Für 2026/27 beträgt er 30 Prozent des IAS, des Referenzindex für Sozialleistungen, also rund 161 Euro im Monat, mit einem Aufschlag, wenn kein Platz im Wohnheim zu bekommen ist. Der regionale Zuschuss käme obendrauf und würde Familien erreichen, die heute wegen weniger Euro Einkommen leer ausgehen.
Ein Markt mit zu wenigen Betten
Das eigentliche Problem ist das Wohnen. Die Universität der Azoren eröffnet in diesem Studienjahr 270 neue Betten an ihren drei Standorten, finanziert über den PRR, den europäischen Aufbauplan, und kommt damit auf insgesamt 561 Plätze. Wer keinen Wohnheimplatz bekommt, weicht auf den privaten Markt aus, wo ein Zimmer in Ponta Delgada laut einem aktuellen Bericht rund 400 Euro im Monat kostet, nach einem Anstieg um etwa 50 Prozent in einem Jahr. Auf den kleinen Inseln müssen auch Schüler der Sekundarstufe und der Berufsbildung wegziehen, auch wenn sich der bekannte Vorschlag auf das Hochschulstudium konzentriert.
Was sich für eine Familie aus Flores oder Santa Maria ändern würde
Nehmen wir ein Kind aus Flores, das auf São Miguel studiert. Ohne Stipendium zahlt die Familie das 400-Euro-Zimmer und die Flüge heute komplett aus eigener Tasche. Mit dem Vorschlag bekäme sie einen monatlichen Betrag, der sich nach diesen Kosten und dem Einkommen richtet, und die Tickets würden die Steuerlast mindern. Dafür muss das Regionalparlament mit seinen 57 Sitzen zustimmen: Die PS stellt 23 Abgeordnete, die Koalition hinter der Regionalregierung 26. Die Maßnahme braucht also Stimmen anderer Fraktionen oder eine Einigung mit der Exekutive. Zu beobachten ist die Haushaltsdebatte der kommenden Monate. Bis dahin gilt: früh einen Wohnheimplatz beantragen und jede Mietquittung aufbewahren.



