Brüssel sieht 26 von 30 großen Kanaren-Gemeinden als angespannt
Eine am 9. September 2026 veröffentlichte Analyse der Europäischen Kommission liefert Zahlen zu etwas, das viele Familien auf den Kanaren jeden Monat spüren. In 26 der 30 bevölkerungsreichsten Gemeinden der Inseln verlangt der Kauf einer Wohnung einen Aufwand, wie er einen angespannten Wohnungsmarkt kennzeichnet. Der Extremfall ist Adeje im Süden Teneriffas: Dort bräuchte eine Familie 24,5 Jahre ihres gesamten Einkommens, um eine Wohnung zu bezahlen.
Was ein angespannter Wohnungsmarkt ist
Es ist ein Gebiet, in dem Wohnen so teuer ist, dass das Gesetz den Behörden erlaubt, in den Markt einzugreifen. In Spanien genügt eines von zwei Kriterien: Hypothek oder Miete verschlingen samt Nebenkosten mehr als 30 Prozent des Einkommens eines durchschnittlichen Haushalts, oder die Preise sind in fünf Jahren mindestens drei Punkte stärker gestiegen als der Verbraucherpreisindex, der die Lebenshaltungskosten misst. Die europäische Analyse nutzt einen direkteren Maßstab: wie viele Jahre Bruttoeinkommen eine Wohnung kostet. Ab acht gilt der Markt als angespannt, ab zehn als eindeutig.
Warum Adeje so weit oben steht
In ganz Spanien kostet eine durchschnittliche Wohnung rund acht Jahresgehälter brutto. In Adeje sind es 24,5, das Dreifache. Die Gemeinde lebt vom Tourismus, und ihre Bewohner konkurrieren auf demselben Markt mit Käufern, die einen Zweitwohnsitz oder eine Ferienwohnung suchen, also eine Immobilie, die tageweise an Touristen vermietet wird. Diese Nachfrage kommt mit deutlich mehr Geld als ein Hotelangestellter und treibt die Preise, während die örtlichen Löhne viel langsamer wachsen. Die Wohnungen werden zu internationalen Preisen verkauft und mit kanarischen Gehältern bezahlt. Nur Ingenio, Agüimes, Arrecife und Arucas stehen nicht auf der Liste: Orte mit mehr Wohn- oder Industriecharakter, in denen die Preise noch in einem gewissen Verhältnis zu den Einkommen der Bewohner stehen.
Was eine Erklärung ändern würde
Auf den Kanaren entscheidet die Regionalregierung, und Adeje wartet seit April 2024 auf eine Antwort. Für Mieter bedeutete es eine Obergrenze für Erhöhungen bei neuen Verträgen und in Wohnungen großer Vermieter, die in angespannten Gebieten schon ab fünf statt zehn Wohnungen als solche gelten. Für Kaufinteressenten sinken die Preise nicht über Nacht, doch die kanarischen Regeln verbieten dort neue Lizenzen für Ferienwohnungen, was die Umwandlung von Wohnungen in Touristenunterkünfte bremst. Für die Gemeinde ist es der Schlüssel, um Sozialwohnungen einzufordern und gegen Leerstand vorzugehen. Zu beobachten ist, ob die kanarische Regierung die offenen Anträge noch vor Jahresende entscheidet: Dann zeigt sich, ob der Brüsseler Bericht eine Diagnose bleibt oder zu Maßnahmen führt.



