Über 3.140 Gebäude mit Asbestdächern auf São Jorge, Faial und Pico
Eine Erhebung der Regionalregierung der Azoren hat auf den sogenannten Dreiecksinseln São Jorge, Faial und Pico mehr als 3.140 Gebäude mit Asbest erfasst. Fast 90 Prozent davon sind in Privatbesitz. Die Zahl wurde am 9. September als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage bekannt und beziffert ein Problem, das in Velas, Horta oder Madalena jeder sieht: das graue Wellplattendach aus Faserzement.
Was Asbest ist und warum es dort liegt
Asbest ist ein faseriges Mineral, das jahrzehntelang mit Zement zu billigen, leichten Dachplatten verarbeitet wurde, dem sogenannten Faserzement. Die Europäische Union hat Asbest 2005 verboten, doch alles, was vorher verbaut wurde, liegt noch. Auf den Azoren, wo viele Häuser zwischen den sechziger und neunziger Jahren gebaut oder umgebaut wurden, findet sich das Material auf Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Nebengebäuden. Rund 2.800 der erfassten Gebäude gehören Privatpersonen, der Rest der Region oder dem Staat; São Jorge liegt vorn, gefolgt von Faial und Pico.
Gefährlich wird es beim Zerbrechen
Eine unbeschädigte Platte in gutem Zustand setzt kaum Fasern frei. Das Risiko entsteht, wenn das Material durch Sonne und Salz verwittert oder wenn jemand es schneidet, bohrt oder mit dem Hochdruckreiniger säubert. Eingeatmete Fasern können schwere Lungenkrankheiten auslösen, darunter das Mesotheliom, einen Krebs, der erst nach Jahrzehnten ausbricht. Deshalb darf nur ein zugelassenes Unternehmen den Rückbau übernehmen, mit einem der Arbeitsinspektion gemeldeten Arbeitsplan und Entsorgung auf einer genehmigten Deponie. Zwischen 2021 und 2025 hat die regionale Arbeitsinspektion rund 170 solcher Arbeiten mit insgesamt 85.000 Quadratmetern genehmigt.
Was ein Eigentümer tun sollte
Erstens: das Dach nicht selbst anfassen. Zweitens: den Zustand fachlich prüfen lassen. Drittens: Rückbau und neues Dach kalkulieren. In Portugal kostet das Entfernen und Entsorgen von Faserzement zwischen 40 und 80 Euro pro Quadratmeter, ein komplettes neues Dach liegt im Schnitt bei etwa 100 Euro pro Quadratmeter. Bei einem Haus mit 100 Quadratmetern sind das deutlich über 10.000 Euro. Der Staatshaushalt 2026 sieht ein nationales Zuschussprogramm für private Wohnhäuser vor, dessen Regeln noch ausstehen, und es lohnt sich, bei der Câmara Municipal, dem Rathaus, nach örtlichen Hilfen zu fragen.
Was sich beim Verkauf ändert
Ein Faserzementdach verhindert keinen Verkauf, drückt aber auf den Preis. Der Gutachter vermerkt es als offene Kosten, und ein informierter Käufer zieht den Ersatz von seinem Angebot ab. Verschweigen ist keine gute Idee: Entdeckt der neue Eigentümer das Dach später, kann er Ansprüche stellen. Wer im Dreieck ein solches Haus besitzt, sollte den Zustand des Daches dokumentieren, Kostenvoranschläge aufbewahren und die Förderaufrufe im Blick behalten, bevor er verkauft oder saniert.



