Niedrige Einkommen auf Gran Canaria: 10,75 Jahresgehälter für eine Wohnung
Santa Lucía de Tirajana, die Gemeinde auf Gran Canaria, zu der der Ort Vecindario gehört, hat das viertniedrigste Durchschnittseinkommen aller großen Städte Spaniens: 16.010 Euro pro Einwohner und Jahr, so die im September 2026 veröffentlichten Zahlen des INE. Vierzig Kilometer weiter, in Las Palmas de Gran Canaria, kostet eine durchschnittliche Wohnung 10,75 Bruttojahresgehälter. Die Botschaft ist dieselbe: Auf der Insel halten die Löhne mit den Wohnkosten nicht Schritt.
Was das INE misst
Das spanische Statistikamt INE berechnet jedes Jahr aus den Steuererklärungen, wie viel ein durchschnittlicher Einwohner jeder Gemeinde nach Steuern verdient. Unter den Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern steht Santa Lucía seit Jahren weit hinten, zusammen mit anderen Tourismus- und Landwirtschaftsgemeinden aus Südspanien und Teneriffa. In der vorigen Ausgabe war El Ejido bei Almería das Schlusslicht, an der Spitze stand Pozuelo de Alarcón bei Madrid mit fast dem doppelten Einkommen von Vecindario.
Zehn Jahresgehälter für eine Wohnung
Der Wert für die Hauptstadt vergleicht den von den Notaren erfassten mittleren Kaufpreis mit dem Durchschnittseinkommen der Einwohner. Das Ergebnis, 10,75 volle Jahresgehälter, liegt deutlich über der Schwelle von acht Jahren, die die Europäische Union als Zeichen eines angespannten Marktes wertet. Ein angespannter Wohnungsmarkt ist ein Gebiet, in dem die Verwaltung anerkennt, dass Wohnen unbezahlbar geworden ist, und drei Jahre lang Mietobergrenzen verhängen darf. Las Palmas de Gran Canaria hat diesen Status im Mai 2024 beantragt; nach mehreren Nachforderungen der kanarischen Regierung ist das Verfahren noch offen. Anderen kanarischen Städten geht es schlechter: Santa Cruz de Tenerife braucht über zwölf Jahreseinkommen, Adeje fast fünfundzwanzig.
Was das zu Hause bedeutet
Für eine Familie in Vecindario mit zwei ortsüblichen Gehältern verschlingen Miete, das Auto für den Weg zur Arbeit im Süden und der Wocheneinkauf fast alles; das Eigenkapital für einen Kauf kommt kaum zusammen. Für einen jungen Menschen in der Hauptstadt mit Einstiegsgehalt ist die Rechnung noch härter: Immobilienportale beziffern den Quadratmeterpreis auf knapp 2.900 Euro, und die Mieten sind seit 2019 um fast 30 Prozent gestiegen. Der übliche Ausweg: bei den Eltern bleiben oder auch mit über dreißig noch eine WG teilen.
Was zu erwarten ist
Nichts deutet auf kurzfristig sinkende Preise hin. Im Blick behalten sollte man die Entscheidung über den angespannten Markt in der Hauptstadt und ob die kanarische Regierung den geförderten Wohnungsbau im Südosten ausweitet. Kaufinteressenten lohnt der Blick auf Gemeinden wie Santa Lucía, Agüimes oder Ingenio, wo die Preise unter denen der Hauptstadt liegen; Mieter sollten prüfen, ob ihr Vertrag unter die Obergrenzen fiele, falls die Erklärung kommt.



