Nordeste sammelt geschlossene Auswandererhäuser an und ist zugleich die am stärksten entvölkerte Gemeinde der Insel
Die am stärksten entvölkerte Gemeinde von São Miguel
Ein Großteil des Wohnungsbestands gehört Familien, die in die Vereinigten Staaten, nach Kanada oder auf die Bermudas ausgewandert sind.
Häuser, die den größten Teil des Jahres verschlossen bleiben
In ganzen Straßenzügen des Ortes stehen die Häuser das ganze Jahr über leer, während die Gemeinde weiter Einwohner verliert.
Ein nahezu stillstehender Immobilienmarkt
Die Wohnungen, die überhaupt auf den Markt kommen, stammen meist von ausgewanderten Familien, die sich schließlich doch von ihrem Besitz trennen.
Zwischen Landtourismus und Verfall
Geprüft wird die Umwandlung leer stehender Häuser in Unterkünfte für den ländlichen Tourismus.
Die Spuren der Auswanderung im Ortsbild
Nordeste erlebte über Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine starke Auswanderung in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, ein Phänomen, das bis heute das Straßenbild der Gemeinde prägt: Traditionelle Häuser stehen dort neben Wohnhäusern im amerikanischen Stil, die mit den Überweisungen der Ausgewanderten errichtet wurden. Viele dieser Familien verbindet eine starke emotionale Bindung an ihren Besitz, was erklärt, warum sie ihre Häuser lieber verschlossen halten als sie zu verkaufen – in der Hoffnung auf Ferienaufenthalte oder einen späteren Ruhestand auf der Insel.
Ein Markt mit geringer Fluktuation
Die geringe Fluktuation im Wohnungsbestand erschwert es den wenigen jungen Familien, die in Nordeste bleiben, innerhalb der eigenen Gemeinde eine Kauf- oder Mietgelegenheit zu finden. Immobilienmakler der Region räumen ein, dass sie mehr Anfragen von Interessenten für den ländlichen Tourismus erhalten als von Einheimischen auf der Suche nach einer ersten eigenen Wohnung – ein Hinweis darauf, wie sehr sich die Nutzung des Wohnungsbestands in der Gemeinde verschiebt.
Landtourismus als möglicher Ausweg
Angesichts der Entvölkerung werden einige dieser verschlossenen Häuser inzwischen zu Unterkünften für den ländlichen Tourismus umgebaut, begünstigt durch die Landschaft der Nordküste und die Wanderwege rund um Nordeste. Die Câmara Municipal sieht darin eine Möglichkeit, den Wohnungsbestand lebendig zu halten, ohne dass die ausgewanderten Familien auf ihr Eigentum verzichten müssten. Zugleich räumt sie ein, dass der Prozess noch am Anfang steht und stark von der privaten Initiative der einzelnen Eigentümer abhängt.
Eine Herausforderung, die andere ländliche Gemeinden der Insel teilen
Der Fall Nordeste ist auf São Miguel kein Einzelfall: Gemeinden wie Povoação durchlaufen einen ähnlichen Prozess der Überalterung und der Abwanderung junger Menschen. Nordeste sticht allerdings durch die hohe Zahl an Wohnungen hervor, die mit der ausgewanderten Diaspora verbunden sind. Die Regionalregierung hat die ländliche Entvölkerung als eine der zentralen Herausforderungen ihrer wohnungspolitischen Agenda für die kommenden Jahre benannt.



