Brava, die kleinste Insel Kap Verdes, sieht ihre Häuser im Takt der Auswanderung leer werden
Brava, die kleinste und am dünnsten besiedelte der neun bewohnten Inseln Kap Verdes, weist den ungewöhnlichsten Immobilienmarkt des Archipels auf. In Nova Sintra, der Inselhauptstadt, und in den übrigen Ortschaften ist nicht der Preisanstieg das bestimmende Phänomen, sondern die Entvölkerung: Nach Daten des kapverdischen Statistikamts INE geht die Einwohnerzahl Bravas seit Jahrzehnten zurück, bedingt durch eine historische Auswanderung in die Vereinigten Staaten, die bis zum Walfang des 19. Jahrhunderts zurückreicht und sich heute Richtung Europa und andere Inseln fortsetzt.
Ein Markt fast ohne Aktivität
Vertreter der Immobilienbranche räumen ein, dass es auf Brava kaum Agenturen mit regelmäßiger Tätigkeit gibt und die wenigen Kaufabschlüsse in der Regel unter Privatpersonen zustande kommen, häufig über familiäre Kontakte in der Diaspora. Die Richtpreise für ein traditionelles Wohnhaus in Nova Sintra bewegen sich zwischen 1 und 2,5 Millionen CVE (etwa 9.000 bis 22.700 Euro) und zählen damit zu den niedrigsten des Landes, während es für Neubauten praktisch keine Vergleichswerte gibt.
Verschlossene Häuser, ein gewohntes Bild
Das Ortsbild von Nova Sintra und anderer Dörfer der Insel wie Fajã de Água oder Cova Joana ist von einer erheblichen Zahl verschlossener Häuser geprägt – Erbe von Familien, die vor Generationen auswanderten und das Eigentum ohne dauerhafte Nutzung behalten, wie Vertreter der Gemeindeverwaltung bestätigen. Viele dieser Häuser werden nur während der Feste im August wieder geöffnet, wenn ein Teil der Diaspora vorübergehend auf die Insel zurückkehrt. Das sorgt für eine kurzzeitige Spitze an sozialer und wirtschaftlicher Aktivität, die sich im Rest des Jahres jedoch nicht in einen stabilen Immobilienmarkt übersetzt.
Die Abgeschiedenheit als struktureller Faktor
Anders als andere Inseln verfügt Brava über keinen regulär betriebenen Flughafen und ist auf begrenzte Schiffsverbindungen nach Fogo angewiesen. Das schränkt jede touristische oder immobilienwirtschaftliche Entwicklung größeren Maßstabs erheblich ein, wie es aus der Branche heißt. Diese fehlende Anbindung und die geringe Größe der Insel führen dazu, dass Brava in den Plänen zur touristischen Expansion nicht auftaucht, die sehr wohl Sal, Boa Vista und sogar Fogo und Santo Antão betreffen.
Bewahren statt entwickeln
Die örtlichen Behörden, die sich der strukturellen Grenzen der Insel bewusst sind, richten ihre Politik eher auf den Erhalt des architektonischen Erbes von Nova Sintra – mit seiner ausgeprägt portugiesischen Prägung des 19. Jahrhunderts – und auf einen Tourismus in sehr kleinem Maßstab aus als auf eine aktive Immobilienvermarktung. Vertreter der Immobilienbranche sind sich einig, dass Brava ohne eine deutliche Verbesserung der Fluganbindung voraussichtlich die Insel mit dem kleinsten und am wenigsten dynamischen Wohnungsmarkt ganz Kap Verdes bleiben wird.



