Boa Vista nähert sich der städtebaulichen Sättigung in Sal Rei durch den Boom der Zweitwohnsitze
Boa Vista, nach Sal die zweitwichtigste Insel Kap Verdes in touristischer Hinsicht, durchläuft eine Phase beschleunigter Immobilienexpansion, konzentriert auf Sal Rei und den Streifen großer Resorts im Süden der Insel, in Gebieten wie Praia de Chaves oder der Umgebung von Santa Mónica. Die Ankunft internationaler Hotelketten im vergangenen Jahrzehnt ging mit einem deutlichen Anstieg des Baus von Villen und Wohnungen einher, die als Zweitwohnsitz und Ferienvermietungsinvestition dienen.
Ein fast ausschließlich auf ausländische Käufer ausgerichteter Markt
Laut auf der Insel tätigen Immobilienagenturen entfallen über 80 % der Verkäufe neuer Wohnimmobilien auf Boa Vista auf gebietsfremde Käufer, hauptsächlich Europäer. Die Preise für Ferienwohnungen liegen je nach Strandnähe und Ausstattungsqualität zwischen 90.000 und 200.000 Euro, während Baugrundstücke in der Nähe großer Hotelanlagen laut befragten Branchenquellen ihren Wert im vergangenen Jahrzehnt vervielfacht haben.
Sal Rei zwischen Wachstum und fehlender Planung
Der Ortskern von Sal Rei, ein traditioneller Fischerhafen, der sich zu einem touristischen Dienstleistungszentrum entwickelt hat, weist ein städtisches Wachstum auf, das Gemeindequellen als teilweise ungeordnet bezeichnen, mit Vierteln für Beschäftigte im Tourismussektor – viele von ihnen aus Santiago, Guinea-Bissau oder Senegal –, die mit weniger Planung als die Hotelzonen errichtet wurden. Die Miete für diese arbeitende Bevölkerung ist laut Daten des INE Kap Verdes parallel zum Wachstum der touristischen Beschäftigung stark gestiegen.
Infrastruktur, die dem Bauboom hinterherhinkt
Das Tempo neuer touristischer Bauvorhaben hat laut Gemeindetechnikern die Kapazität der Wasser-, Abwasser- und Stromnetze der Insel überstiegen, was in den vergangenen Sommern in einigen Gebieten von Sal Rei zu punktuellen Versorgungsausfällen geführt hat. Die lokale Immobilienbranche fordert eine Beschleunigung der öffentlichen Investitionen in Infrastruktur, um die Attraktivität der Insel für Investoren nicht zu gefährden, in einem Umfeld starken Wettbewerbs mit Sal um ausländisches Kapital.
Raumordnung: die ausstehende Hausaufgabe
Die Stadtverwaltung von Boa Vista hat die Überarbeitung ihres Flächennutzungsplans angekündigt, um der Expansion neuer Resorts klarere Grenzen zu setzen und ökologisch wertvolle Gebiete zu schützen, etwa die Nistplätze der Meeresschildkröten im Süden der Insel. Branchenquellen weisen jedoch darauf hin, dass der ausländische Investitionsdruck weiterhin so stark ist, dass es in der Praxis schwierig ist, bereits mit internationalem Kapital verbundene neue Projekte zu bremsen.



