Landwirtschaftliche Flächen und Weinberge von Graciosa, ein Erbe, das den Bau bremst
Eine noch sehr ländliche Insel
Die Landschaft wird von Weiden, Anbauflächen und traditionellen, durch Currais geschützten Weinbauparzellen geprägt.
Kleine Weinberge, hoher symbolischer Wert
Die wenigen Weinbauparzellen wecken das Interesse von Käufern, die einen Zweitwohnsitz mit Garten suchen.
Die Bremse durch geschütztes ländliches Bauland
Die Weideflächen sind als geschütztes landwirtschaftliches Bauland eingestuft, eine Umwandlung ist nicht möglich.
Gedämpfter, aber beobachteter Druck
Würden die Beschränkungen gelockert, würde umgehend Nachfrage nach ländlichen Grundstücken für Wohnzwecke entstehen.
Graciosa, die weiße Insel der Azoren
Volkstümlich als die weiße Insel bekannt, benannt nach der vorherrschenden Farbe ihrer Häuser und traditionellen Windmühlen, bewahrt Graciosa eine ländliche Landschaft, die im Vergleich zu touristisch stärker entwickelten azorischen Inseln wie São Miguel oder Terceira wenig verändert wurde. Dieses gepflegte, einheitliche Gesamtbild gehört zu den Argumenten, die jene anführen, die einen Zweitwohnsitz abseits stärker frequentierter Routen suchen. Die Gemeindeverwaltung selbst fördert diese visuelle Identität als Teil der touristischen Strategie der Insel. Diesen ländlichen Charakter unversehrt zu erhalten, ist für einen Großteil der Bewohner ebenso wichtig wie jede Marktüberlegung.
Der Wein der Currais, eine Inseltradition
Das System der Currais, kleiner Steineinfriedungen, die die Reben vor dem Atlantikwind schützen, ist eine besondere Technik, die die Weinbaulandschaft von Graciosa vom Rest des azorischen Archipels unterscheidet. Diese kleinen und stark unter verschiedenen Eigentümern zersplitterten Parzellen bringen einen Wein hervor, der überwiegend für den lokalen oder familiären Konsum bestimmt ist und kaum großflächig vermarktet wird. Diese Zersplitterung erschwert es, dass die wenigen verfügbaren Parzellen auf einen offenen Immobilienmarkt gelangen, da sie meist innerhalb der Familie weitergegeben werden. Kommt einmal eine zum Verkauf, weckt sie ein unverhältnismäßig großes Interesse angesichts ihrer geringen Größe.
Vorerst geringer Immobiliendruck
Anders als auf anderen azorischen Inseln, wo der Tourismus die Preise für ländlichen Wohnraum in die Höhe getrieben hat, bleibt der Immobiliendruck auf Graciosa vergleichsweise gering, teils wegen der eingeschränkten Flug- und Schiffsanbindung. Lokale Makler räumen ein, dass die Zahl der jährlichen Geschäfte weiterhin gering bleibt, mit einem Markt, der sich praktisch auf Inselbewohner oder direkte Nachkommen beschränkt. Landschaftsschutzverbände beobachten aufmerksam jedes Anzeichen einer Trendwende, im Bewusstsein dessen, was auf benachbarten, größeren Inseln geschehen ist. Vorerst wirkt das geschützte ländliche Bauland als wirksame Barriere gegenüber einer noch gedämpften Nachfrage.
Stimmen, die für den Erhalt des Status quo plädieren
Landwirtschafts- und Umweltverbände von Graciosa setzen sich dafür ein, die aktuelle Einstufung des ländlichen Bodens unverändert zu lassen, mit dem Argument, dass die Erfahrung anderer azorischer Inseln die Risiken einer übermäßigen Lockerung der Schutzvorschriften belege. Sie verweisen ausdrücklich auf den Fall São Miguel, wo der Immobiliendruck ländliche Gebiete verändert hat, die zuvor denen von Graciosa ähnelten. Für diese Verbände macht die geringe Größe der Insel es noch dringlicher, das derzeitige Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft und Wohnraum zu bewahren. Die Diskussion über dieses Gleichgewicht bleibt offen, vorerst jedoch ohne absehbare Gesetzesänderungen.



