Die Auswanderung hinterlässt auf Fogo Tausende geschlossene oder halbfertige Häuser
Eine von der Diaspora geprägte Insel
Fogo ist eine der Inseln mit der stärksten Auswanderungstradition nach Neuengland.
Häuser, gebaut für eine Rückkehr, die nicht immer eintritt
Große, mit Rücküberweisungen finanzierte Häuser bleiben jahrelang halbfertig.
Ein ungenutzter Wohnungsbestand
Ein erheblicher Anteil des Bestands gilt als gelegentlich genutzt oder leerstehend.
Ein durch unklare Erbverhältnisse gelähmter Markt
Eigentumsprobleme zwischen in verschiedenen Ländern lebenden Erben blockieren Verkauf oder Vermietung.
Von Boston nach São Filipe: der Kreislauf der Rücküberweisung
Ein Großteil der halbfertigen Häuser auf Fogo wird mit Rücküberweisungen aus Massachusetts finanziert, wo eine der größten kapverdischstämmigen Gemeinschaften der Vereinigten Staaten lebt. Das Geld trifft meist in unregelmäßigen Raten ein, abhängig von den verfügbaren Ersparnissen des Auswanderers, was erklärt, warum viele Bauvorhaben jahrelang nur schleppend vorankommen. Häufig ruht der Bau über lange Zeiträume vollständig und wird erst mit dem Eintreffen einer neuen Überweisung wiederaufgenommen. Dieses Muster hat in weiten Teilen der Insel ein Stadtbild geprägt, das von unfertigen Bauten durchsetzt ist.
Monumentale Häuser als Erfolgssymbol
Die aus dem Ausland finanzierten Häuser sind meist größer und aufwendiger ausgestattet als der lokale Durchschnitt, gedacht als sichtbares Zeichen des migrantischen Erfolgs der Familie. Für viele Auswanderer stellt die Fertigstellung des Hauses auf der Heimatinsel ein Lebensziel dar, auch wenn die endgültige Rückkehr nie eintritt. Diese symbolische Logik erklärt, warum manche Häuser selbst Jahre nach Fertigstellung geschlossen und unbewohnt bleiben. Das Phänomen ist besonders in der Umgebung von São Filipe und Mosteiros sichtbar.
Der Versuch, Ordnung in die Eigentumstitel zu bringen
Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren Kampagnen zur Regularisierung des Katasters vorangetrieben, um die Eigentumsverhältnisse von Häusern zu klären, die an mehrere, in unterschiedlichen Ländern lebende Nachkommen vererbt wurden. Der Prozess kommt nur langsam voran, unter anderem weil es Jahre dauern kann, alle Erben ausfindig zu machen und ihre Zustimmung einzuholen. Die Techniker der Gemeindeverwaltung räumen ein, dass ohne diesen vorherigen Schritt ein formeller Verkauf oder eine Vermietung praktisch unmöglich ist. Die Regularisierung gilt als notwendige Voraussetzung, um einen Großteil des heute blockierten Wohnungsbestands wieder zu aktivieren.
Ein möglicher Weg: die Vermietung an Besucher
Einige Familien haben begonnen, die vorübergehende Vermietung dieser Häuser an Mitglieder der Diaspora zu prüfen, die die Insel während der Ferien oder der Patronatsfeste im August besuchen. Diese Lösung ermöglicht punktuelle Einnahmen, ohne die Probleme des geteilten Eigentums sofort lösen zu müssen. Erste örtliche Agenturen bieten bereits an, diese Art von Kurzzeitvermietungen zwischen abwesenden Eigentümern und Gelegenheitsmietern zu verwalten. Sollte sich diese Praxis etablieren, könnte sie die chronische Unternutzung des Wohnungsbestands der Insel teilweise lindern.



