In Ribeira Seca häufen sich verschlossene Auswandererhäuser, während die Insel Mieter für ihre leeren Wohnungen sucht
Verschlossene, nicht verlassene Häuser
Gut instand gehaltene Häuser mit fast ganzjährig heruntergelassenen Rollläden, im Besitz von Auswanderern.
Ein "schlafender" Wohnungsbestand
Der Bestand ist weder bewohnt noch für den Markt verfügbar.
Versuche, diese Wohnungen zu mobilisieren
Die emotionale Bindung wiegt schwerer als die Rendite einer Vermietung.
Die Insel zwischen zwei Wirklichkeiten
Gefordert werden Steueranreize für ausgewanderte Eigentümer, die ihre Häuser zur Verfügung stellen.
Eine Auswanderung mit über hundertjähriger Geschichte
São Jorge erlebte seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert aufeinanderfolgende Auswanderungswellen in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, insbesondere nach Agrarkrisen, die die Insel hart trafen. Viele Familien, die damals fortgingen, behielten ihre Häuser in Ribeira Seca als Bindung an die Heimat. Generationen, die bereits in Nordamerika geboren wurden, halten diese Immobilien weiterhin durch Erbschaft, auch wenn ihre Beziehung zur Insel immer distanzierter wird. Dieses Muster wiederholt sich in mehreren Gemeinden im Inselinneren.
Der Kontrast zu Velas und Calheta
Anders als in den städtischen Kernen von Velas und Calheta, wo die Nachfrage nach ganzjährig genutztem Wohnraum lebhafter ausfällt, behält Ribeira Seca ein ausgeprägt saisonales Profil. Im Sommer füllen sich die Straßen mit Leben, wenn viele Auswanderer zum Urlaub zurückkehren, und bleiben den Rest des Jahres nahezu leer. Örtliche Händler bemerken diesen Unterschied deutlich an den Umsätzen zwischen Haupt- und Nebensaison. Die Gemeinde funktioniert damit fast wie ein kollektiver Zweitwohnsitz und weniger wie ein stabiler Siedlungskern.
Rechtliche und praktische Hürden
Diese Häuser dem Mietmarkt zuzuführen, ist nicht allein eine Frage des Willens der Eigentümer, sondern scheitert auch an ungeklärten Erbschaftsverfahren zwischen mehreren, über verschiedene Länder verstreuten Erben. Die Eigentumsverhältnisse eines Hauses zu klären, kann Jahre dauern, wenn die Eigentümer zwischen den Inseln und dem Ausland verteilt leben. Örtliche Immobilienverwalter weisen darauf hin, dass diese rechtliche Komplexität selbst jene abschreckt, die durchaus zur Vermietung bereit wären. Die Regionalverwaltung prüft eine Vereinfachung einiger dieser Verfahren.
Blicke aus der Regionalregierung
Verantwortliche der Governo Regional dos Açores haben den Fall Ribeira Seca als Beispiel für ein Phänomen genannt, das mehrere Inseln des Archipels mit ausgeprägter Auswanderungstradition betrifft. Geprüft wird, gezielte Anreize für abwesende Eigentümer zu schaffen, die ihre Häuser dem langfristigen Mietmarkt überlassen. Bislang gibt es keinen konkreten Zeitplan für diese Maßnahmen. Anwohnervereinigungen betonen, dass jede Lösung den emotionalen Wert respektieren müsse, den diese Häuser für die ausgewanderten Familien haben.



