Der Krater des Caldeirão schützt seinen Boden: In seinem Inneren wird kein Neubau genehmigt
Ein Krater, der einen Großteil der Insel einnimmt
Der Caldeirão bestimmt mit seinen Lagunen im Inneren die Stadtplanung der gesamten Insel.
Bauland, eine fast erschöpfte Ressource
Verfügbares Bauland beschränkt sich praktisch auf das unmittelbare Umfeld von Vila do Corvo.
Zwischen Erhalt und demografischem Druck
Vorschläge zur Lockerung der Baubeschränkungen haben sich nicht durchgesetzt.
Eine Grenze, die auch die Landschaft schützt, die Besucher anzieht
Den Krater frei von Bauten zu halten, bewahrt die wichtigste touristische Attraktion.
Ein geologisches Symbol ohne Gegenstück in Europa
Der Caldeirão, mit fast zwei Kilometern Durchmesser und seinen Lagunen im Inneren, gilt als eines der am besten erhaltenen vulkanischen Ensembles auf portugiesischem Gebiet und als unumgängliche Referenz für Geologen, die den atlantischen Vulkanismus untersuchen. Seine Einzigartigkeit war entscheidend, um das heutige Schutzniveau zu rechtfertigen, das jede Bebauung im Inneren verhindert. Forscher und örtliche Führer sind sich einig, dass gerade das vollständige Fehlen von Bauten den wissenschaftlichen und landschaftlichen Wert des Kraters bewahrt. Dieser Ausnahmezustand unterscheidet Corvo von ähnlichen Calderas auf anderen Inseln, wo eine gewisse menschliche Nutzung durchaus zugelassen wurde.
Vila do Corvo, der einzige städtebauliche Ausweg
Da das Innere der Insel praktisch von Bebauung ausgeschlossen ist, konzentriert sich das gesamte Wachstum bei Wohnraum und Infrastruktur zwangsläufig auf das unmittelbare Umfeld von Vila do Corvo, den einzigen bewohnten Ortskern. Diese Konzentration hat einen wachsenden Druck auf ein Baugelände erzeugt, das ohnehin durch die Geländeform der Insel begrenzt ist. Die wenigen verfügbaren Grundstücke innerhalb des Ortskerns erzielen deutlich höhere Preise als vergleichbare Parzellen auf anderen, größeren azorischen Inseln. Der Mangel an Ausdehnungsalternativen macht jedes städtische Grundstück zu einem besonders begehrten Gut.
Das Gleichgewicht zwischen Entvölkerung und Schutz
Bei einer Bevölkerung von rund vierhundert Einwohnern mit sinkender Tendenz stellen manche örtliche Stimmen infrage, ob das derzeitige Schutzniveau angesichts der Gefahr einer vollständigen Entvölkerung der Insel noch sinnvoll ist. Dieser Haltung halten Umweltschützer und Umweltfachleute entgegen, dass eine Lockerung des Schutzes des Caldeirão das eigentliche demografische Problem, das eher mit dem Mangel an wirtschaftlichen Möglichkeiten zusammenhängt, nicht lösen würde. Die Debatte stellt somit zwei legitime Anliegen einander gegenüber, den Landschaftserhalt und das Überleben der Gemeinschaft, ohne dass bislang eine einvernehmliche Lösung gefunden wurde. Die in den letzten Jahren vorgebrachten Lockerungsvorschläge haben nicht die erforderliche institutionelle Unterstützung erhalten.
Naturtourismus als Ausgleich
Das Bauverbot im Inneren des Kraters hat es ermöglicht, eine der wichtigsten touristischen Attraktionen Corvos unversehrt zu erhalten, die jedes Jahr Besucher anzieht, die sich speziell für Wandern und Vogelbeobachtung rund um die Lagunen interessieren. Dieser Naturtourismus, wenngleich vom Umfang her bescheiden, sorgt über ländliche Unterkünfte und örtliche Führer für ergänzende Einnahmen bei einigen Familien. Die Inselbehörden argumentieren, dass sich dieses Modell strengen Erhalts langfristig für die Insel als rentabler erweist als eine mögliche Öffnung für Bauvorhaben. Der Caldeirão erweist sich so gerade dadurch, dass er frei von Bauten bleibt, als wirtschaftlicher Aktivposten.



