Die jungen Menschen von Espargos zwischen Tourismuslöhnen und steigenden Wohnungspreisen gefangen
Tourismuslöhne, die mit den Preisen nicht mithalten
Ein Kellner verdient rund 55.000 CVE im Monat – angesichts der Wohnungspreise nicht ausreichend.
Die erste eigene Wohnung rückt immer weiter weg
Eine Wohnung mit zwei Zimmern kostet zwischen 6 und 9 Millionen CVE.
Mieten, die das Gehalt aufzehren
Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostet etwa 15.000 CVE im Monat.
Ein strukturelles, kein vorübergehendes Problem
Die Insel zieht hochwertige Hotelinvestitionen an, während die Löhne bescheiden bleiben.
Berichte von Menschen, die bereits nach Alternativen suchen
Mehrere Beschäftigte des Hotelgewerbes in Espargos erklären, angesichts der Unmöglichkeit, das nötige Eigenkapital für eine Anzahlung anzusparen, hätten sie begonnen, eine vorübergehende Auswanderung auf andere Inseln oder nach Europa als Weg zum Kapitalaufbau in Betracht zu ziehen. Einige berichten, ihre eigenen Eltern hätten vor einem Jahrzehnt mit ähnlichen Löhnen eine Wohnung gekauft, als die Preise kaum die Hälfte der heutigen erreichten. Dieser Vergleich zwischen den Generationen nährt das Gefühl, dass der Zugang zur ersten eigenen Wohnung deutlich schwieriger geworden ist.
Das Gewicht des Tourismus in der lokalen Wirtschaft
Auf Sal konzentriert sich ein Großteil der internationalen Hotelinvestitionen Kap Verdes, was den Bodenwert in Espargos und im nahegelegenen Küstenstreifen in die Höhe getrieben hat. Die Löhne im Tourismussektor haben sich in den letzten Jahren jedoch kaum verändert, wodurch eine wachsende Kluft zwischen den Wohnkosten und der tatsächlichen Sparfähigkeit der Beschäftigten entsteht. Lokale Gewerkschaften haben gefordert, die Tarifverträge des Hotelgewerbes zu überprüfen und an die gestiegenen Lebenshaltungskosten auf der Insel anzupassen.
Vergleich mit anderen Inseln des Archipels
Auf Inseln ohne eine so intensive touristische Entwicklung, wie Maio oder Brava, bleiben die Wohnungspreise merklich niedriger – allerdings gilt das auch für die verfügbaren Löhne. Dieser Vergleich veranlasst manche Immobilienanalysten zu der Einschätzung, dass das Problem von Espargos nicht allein der absolute Wohnungspreis ist, sondern das Missverhältnis zwischen der wirtschaftlichen Dynamik der Insel und der Lohnentwicklung derjenigen, die eben diese Dynamik tragen.
Mögliche Handlungsansätze
Zu den erwogenen Maßnahmen zählen Programme für geförderten Wohnraum für Beschäftigte des Tourismussektors sowie zinsgünstige Kreditlinien mit lokalen Banken. Bislang ist kein konkreter Vorschlag über die Diskussionsphase hinausgekommen. Unterdessen entscheidet sich ein Großteil der jungen Arbeitskräfte in Espargos weiterhin dafür, sich eine Wohnung zu teilen oder länger als gewünscht im Elternhaus zu wohnen.



